Zivilisationskrankheiten

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Völlerei: Falsche Einstellung oder seelische Krankheit?

Posted on | August 22, 2013 | No Comments

An jeder Ecke und zu jedem Zeitpunkt kann heute gegessen werden. Genuss kommt oft vor Gesundheit, man präferiert die spätere Diät als Ablass, als sich gleich von Anfang an zu beherrschen. Die Folgen der Völlerei: Zirka jeder zweite Deutsche ist zu dick und selbst auf Kinder wirkt sich die falsche und übermäßige Ernährung schon aus. Dabei trifft die Schuld nicht immer bloß den Genießer.

Das Gefühl der Schuld, das einen heimlich beschleicht, wenn man nach drei schlämmerlastigen Weihnachtsfeiertagen auf der Waage steht, kennt fast jeder. So schmackhaft das Mahl auch war, später bereut man seine Maßlosigkeit im Delirium des Schnitzelkomas, von Bauchschmerzen und Übelkeit geplagt. Der menschliche Körper wehrt sich. Er zeigt, das ihm dieses übermäßige Essen nicht gut tut. Die Medizin liefert immer neuen Input an Erkenntnissen. Regeln, Ernährungstipps, dabei liegt die Ursache oft so offensichtlich vor einem.

Ungefähr fünfzig Prozent der erwachsenen Deutschen und schon jedes fünfte deutsche Kind werden als übergewichtig bis fettsüchtig eingestuft. In vielen anderen Ländern ist die Situation ähnlich bis schlimmer. Die Malaien haben bereits eingeführt, dass in Zeugnissen von Schulkindern nicht nur deren Noten, sondern auch deren Body-Mass-Index dokumentiert wird. Das medizinisch gesehen krankhafte Suchtverhalten im Bezug auf Essen wird früher wie heute von vielen als Zeichen von Charakterschwäche gesehen.

Vor allem mit Blick auf Hungersnöte, Regenwaldabholzung, Überfischung werden die Millionen Übergewichtigen der Industriestaaten gerne mal schief angeschaut. Aber inwieweit ist hier der Übergewichtige selbst schuld, und inwieweit ist er nur Opfer seiner eigenen Genetik? Übermäßiges Essen und Trinken ist heute, medizinisch gesehen, genauso eine seelische Störung, wie übermäßiges Hungern. Medien, Krankheiten, seelische Probleme beeinflussen den Menschen, der deshalb nicht immer alleine für sein Übergewicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

Übermäßiges Essen führt nicht direkt zum Tod, bleibt aber eine Sünde – zumindest gegen die eigene Gesundheit. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und extreme Skelettbelastungen sind Folgen, die eine Bekämpfung der einreisenden Fresssucht bitter nötig macht. Es wird geforscht, aber eine Antifettpille existiert (noch) nicht. Appetitzügler und chirurgische Eingriffe am Magen sind also als Ausweg herangezogen. Auch Diäten und Sport werden betrieben. Leider meistens behandelnd, nicht präventiv.

Als sehr wichtig erachten wir die grundsätzliche Einstellung einer Gesellschaft zum Essen. Auf der einen Seite hat Fastfood sich etabliert, es wird während anderen Tätigkeiten im Vorbeigehen gespachtelt, ohne darauf zu achten, was und wie viel man eigentlich isst. Andererseits geht der Trend bei vielen Menschen hin zu bedachterem Essen, Bioprodukten, Gesundheitsbewusstsein. Die Entscheidung, welchem Trend man selbst folgen will, macht jeder für sich alleine. Wenn körperliche Gegebenheiten, die Umstände oder simpel die fehlende Selbstbeherrschung zum Problem werden, kann Unterstützung bei Gruppensitzungen zum Thema und beim Arzt gefunden werden. Auch Abnahmeversuche durch Schlankheitspillen, Diäten oder Sport sind nachweislich viel wirksamer, wenn sie mit einer allgemeinen Lebensstiländerung einhergehen.

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